Herkunft aus der Ferne

 In Europa wurden Chinchillas erstmals 1782 von einen spanischen Forscher namens Molina schriftlich erwähnt, wenngleich diese Tiere schon wesentlich länger bei der einheimischen Bevölkerung bekannt waren. Damals nannte man diese Tiere noch "Mus laniger", die er unweit der Stadt "Coquimbo" im Südamerikanischen Chile entdeckte und sie als erster Europäer erforschte. Erst später erhielten die Tiere den Namen "Chinchilla lanigera", hierbei wurde jedoch noch nicht zwischen Lang- oder Kurzschwanz-Chinchilla unterschieden. Über die Jahrhunderte gab es eine ganze Reihe von Expeditionen, bei denen diverse Arten von Chinchillas entdeckt und dokumentiert werden konnten, darunter Hasenmäuse, Kurz- und Langschwanz-Chinchilas und das Königs-Chinchilla. Was aber zu Beginn noch wissenschaftliche Neugier war, sollte sich später zu einer massiven Ausbeutung entwickeln.

 

Das Wort 'Chinchilla' (korrekt gesprochen 'Tschin-tschi-ja') leitet sich ab aus den Begriffen 'chin' = leise, 'sincha' = stark/mutig und 'lla', einem Diminutiv. Der Name stammt aus der Sprache der einheimischen Quechua Indianer und wurde von den Spaniern übernommen. 'laniger' bedeutet wolltragend. 


Heimat der Urahnen

Im 18. und 19. Jahrhundert entdeckten damalige Expeditionen die Tiere in einem rund 9.000 km langen Streifen vom Süden bis in den Norden Chiles, in Regionen zwischen 1.000 und 4.500 Höhenmetern. In den felsigen Anden-Regionen lebten Chinchillas in teilweise riesigen Kolonien von mehreren hundert Tieren zusammen.  In der gesamten Region gibt es pro Jahr extrem geringen Niederschlag, die meiste Zeit ist es trocken. Nachts gehen die Temperaturen auf bis zu -20°C zurück, tagsüber klettern sie bis 30°C. Die Gegend ist felsig, der Boden enthält einen hohen Anteil an Vulkanasche, in dem sich die Tiere gerne baden. Die Vegetation ist an die trockenen Bedingungen angepasst und daher eher spärlich, überwiegend bestehend aus Gräsern, kleinen Büschen, Kakteen, usw.

 Raubvögel, heimische Füchse und Schlangen waren seit je her ihre natürlichen Feinde, bis die Europäer das wunderbar weiche Fell dieser Tiere entdeckten und damit begannen, sie dafür zu jagen. Chinchilla-Fell kam in Europa in Mode und so wurden die Tiere immer stärker dezimiert, bis sie die Gier der Menschen Ende des 19. Jahrhunderts bis an den Rand der totalen Ausrottung trieben. Die größte Gattung, das "Königs-Chinchilla", gilt bereits tatsächlich als ausgerottet - es besaß das meiste Fell.

 

 

 

Die Bilder unten zeigen das Foto eines Königs-Chinchillas, daneben ein Kurzschwanz-Chinchilla. Im Senckenberg  Museum / Frankfurt am Main soll es angeblich ein ausgestopftes Königschinchilla geben.


Was übrig blieb

1929 unterzeichneten die Regierungen von Argentinien, Bolivien, Chile und Peru ein Abkommen zum Schutz der Chinchillas, was Wilderer jedoch lange nicht aufhielt. 1950 erklärte man das "Chinchilla lanigere" sogar als ausgestorben, jedoch wurde es in freier Wildbahn 1978 wiederentdeckt und so wurde 1983 das "Reserva Nacional Las Chinchillas" gegründet - eine Schutzzone von über 4.000 ha. Doch es lebten nur noch wenige Chinchillas. 1996 wurde die Population auf 2.500 bis 11.700 geschätzt, Tendenz fallend. Privat finanzierte Projekte zur Erhaltung der Art zeigten bislang nur mäßigen Erfolg. Das größte Projekt findet man hier: http://www.wildchinchillas.org/

 

Immerhin werden die Tiere seit 1987 zumindest in diesem Gebiet in Ruhe gelassen und nicht mehr gejagt, da Wilderei gerade in Reservaten schwer bestraft wird.


Der Weg ins Wohnzimmer

Ein U.S.-amerikanischer Bergbau-Ingenieur aus Kalifornien namens Mathias F. Chapman schaffte es in den 1920er Jahren - als die Tiere bereits vor Ihrer totalen Ausrottung standen - mehrere lebende Chinchillas einzufangen und mit in die USA zu nehmen, 9 männliche und 3 weibliche Tiere überlebten die lange Reise. Mit diesen Tieren gelang ihm erstmals in der Geschichte die Zucht der Tiere in Gefangenschaft, was den Beginn der Chinchilla-Fell-Industrie markieren sollte. Später verkaufte er seine Tiere an Züchter auf der ganzen Welt und so kann man sagen, dass beinahe alle heute in Gefangenschaft lebenden Chinchillas Nachfahren dieser ursprünglichen 12 sind (Quelle: Parker, 1975). Leider war die Odyssee für die Tiere noch lange nicht vorbei, denn nach wie vor galt Chinchilla-Pelz als sehr begehrt und so wurden sie lange Zeit nur für ihr Fell weitergezüchtet.  


Unten zu sehen ein alter Zeitungsartikel, in dem ein Reporter über seinen Besuch einer Chinchilla-Farm von Chapman schreibt. Dieser englische Artikel ist unvollständig, doch beschreibt er hier bereits die Tiere als sehr liebevoll und zutraulich. 

Auf gewisse Weise hat Chapman durch seine erfolgreiche Zucht einen Teil zum Fortbestand der Spezies geleistet, doch genau betrachtet war er der erste Farmer für Chinchilla-Pelz, denn nur darum ging es letztendlich. Dennoch behandelte er seine Tiere stets mit Respekt und ließ sie nicht leiden. 

In heutigen Pelztierfarmen werden Chinchillas in großer Zahl geboren und erreichen im Alter von 8 bis 12 Monaten  die erste "Fellreife". Sie werden mittels Chloroform betäubt und getötet, um ihnen ihr samtiges Fell abziehen zu können - Man findet heute nach wie vor Produkte aus Chinchilla-Fell. Dank engagierter Tierschützer konnten viele Tiere aus solchen Farmen bzw. von solchen Züchtern befreit werden, doch gibt es leider noch immer zu viele davon.

Die geretteten Tiere fanden schließlich ihr neues Zuhause in unseren Wohnungen und schon sehr bald wurde aus der Zucht dieser Tiere für einige Menschen ein neues Hobby: Durch gewissenhafte Stammbaumpflege, Beachtung von Genetik und weiteren Faktoren kamen immer mehr Jungtiere mit immer schöneren Farbschlägen hervor, die dann an neue Besitzer weitervermittelt wurden.

Diese ersten "Hobby-Züchter" nahmen das Thema noch sehr ernst, heute gibt es allerdings auch viele Züchter, denen ein schöner Farbschlag und Preise für ihre Schautiere zu gewinnen wichtiger zu sein scheint, als die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Generell kann man aber sagen, dass es den Tieren heute in den meisten Fällen sehr gut geht und Züchter ihre Kunden gut darüber aufklären, wie man diese Tiere möglichst artgerecht hält und ihnen ein schönes Zuhause bietet.

 

 Seit den 1990er Jahren sind Chinchillas als Haustiere zwar immer beliebter, trotzdem bis heute noch immer eher unpopulär im Vergleich zu anderen bekanten Nagern, wie Hamster oder Kaninchen. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass Chinchillas in Ihrer Haltung mit einem größeren Aufwand verbunden sind, so benötigen sie einen sehr großen Käfig mit viel Bewegungsfreiheit, abwechslungsreiches Futter, täglichen Freilauf,... Die Liste ist lang. Und da sie sich normalerweise nicht gerne anfassen lassen und zudem noch nachtaktiv sind, macht sie das zwar eigentlich völlig ungeeignet für Kinder, aber ideal für den Arbeitnehmer, der tagsüber nicht zuhause ist.


Ratschlag für potentielle Halter

Wie schon erwähnt haben Chinchillas hohe Ansprüche, das fängt bereits beim Käfig an: Es gibt nur wenige Fertig-Käfige zu kaufen, die groß genug sind. Zwar gibt es allgemeine Empfehlungen, was Größe angeht, aber für solche Tiere sind 2m² einfach zu wenig. Eigentlich ist ein ganzes Zimmer die beste Lösung, nur geht das leider nicht immer. Dennoch sollte der Käfig gute 3,5 bis 4 Quadratmeter groß sein. Volieren sind da vollkommen ungeeignet: Erstens sind sie viel zu klein und bieten zweitens viel zu wenig Platz zum Rennen! Chinchillas müssen rennen können, das geht in hohen Vogelvolieren einfach nicht. 

Die besten Käfige sind selbstgebaute Gehege, oft werden auch große alte Kleiderschränke umgebaut. Tipps zum Bau findet man zuhauf im Internet und in sozialen Netzwerken wie Facebook.

Auch die Ausstattung des Käfigs sollte den Tieren viel Abwechslung bieten, so sollte er unterschiedliche Materialien enthalten, z.B. unterschiedlich harte Holzarten zum Nagen (Zahnabrieb), Stein(-Platten), Ton/Tonröhren, Kork(-Röhren),... auch hier ist die Liste lang. Wichtig sind natürlich auch Verstecke, in die sich die Tiere tagsüber zurückziehen können. In der Natur würden sie in Höhlen schlafen, das lässt sich im Käfig mit Häuschen simulieren und wird gerne angenommen.  

Für die Fellpflege benötigen Chinchillas den richtigen Badesand, den man sich am Besten online bestellt und ein passendes Gefäß damit befüllt. Die Tiere wälzen sich darin aber nicht nur aus hygienischen Gründen: Das Sandbad baut auch Stress ab.

Zum Schluss fehlt natürlich noch ein ausgewogener Speiseplan! Wer meint, Heu und Wasser genügt, der irrt sich gewaltig. Auch Pellets genügen bei Weitem nicht, der Speiseplan ist viel komplexer, um den Tieren alle Nährstoffe in ausreichender Menge zukommen zu lassen. Als Anfänger sollte man sich auch hier unbedingt vorher die Ratschläge anderer Chinchilla-Halter einholen, da diese die nötige Erfahrung haben. Hier bieten sich ebenfalls wieder Foren oder Facebook an.

 

Zum Abschluss bleibt nur noch eines zu sagen: Jeder sollte sich vorher ruhig dreimal überlegen, ob er sich Chinchillas als Haustiere anschaffen sollte und damit eine Verpflichtung für bis zu 20 Jahre eingehen will. Zudem sollte man klären, ob es einen Tierarzt in der Nähe gibt, der sich gut mit Chinchillas auskennt, sollte es mal Probleme geben. 

Wenn man dann erstmal die Tiere in sein Herz geschlossen hat und ihnen ein schönes Zuhause bietet, werden sie zu treuen Begleitern für viele Jahre und zeigen einem ihre ganz individuellen Charaktere.